Texte müssen informieren. Und unterhalten. Auf den Punkt bringen. Überraschen. Vor allem aber: Texte müssen kurz sein. Sonst liest sie kein Schwein. Wir machen kurze Texte.

Das ist schwer. Romane schreiben kann jeder. Aber kurze Texte? Ojojoj.

Deshalb sind unsere kurzen Texte auch teurer als so mancher dicke Wälzer. Ein Beispiel: Der Butt von Günter Grass, 704 Seiten, gebunden. Kostet 22,50. Damit kommen Sie bei uns nicht hin.

So, das muss reichen. Kurze Texte, wie gesagt. Schließlich soll es uns nicht ergehen wie Anton Tschechow mit seinen langen Geschichten. Lesen Sie sowieso nicht, wetten?

 


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Anton Tschechow

Der Schriftsteller

Im Zimmer neben der Teehandlung des Kaufmanns Jerschakow saß hinter einem hohen Stehpult Jerschakow selber, ein junger, nach der letzten Mode gekleideter Mann, aber doch schon verlebt, da er augenscheinlich ein stürmisches Leben geführt hatte. Nach seiner schwungvollen Schrift mit Schnörkeln und dem feinen Zigarrenrauch zu schließen, war ihm die europäische Zivilisation nicht fremd. Indes, er strömte noch mehr den Hauch der Kultur aus, als ein Knabe aus dem Geschäft erschien und meldete:
»Der Schriftsteller ist gekommen!«
»Ah! … Bitt ihn her. Doch sag ihm, er möge seine Galoschen im Geschäft ablegen.«
Eine Minute darauf trat ein grauhaariger, glatzköpfiger alter Mann in rötlichem, abgenutztem Mantel in das Zimmerchen; sein Gesicht war ganz rot und verfroren, und seine Miene sprach von der Schwäche und von der Unsicherheit, wie man sie gewöhnlich bei solchen Leuten findet, die zwar wenig, doch beständig trinken.
»Ah, meine Verehrung …«, sagte Jerschakow, ohne sich nach dem Eintretenden umzublicken. »Was gibt es Gutes, Herr Heinim?«
Jerschakow warf die Worte »Genie« und »Heine« durcheinander, und sie hatten sich bei ihm zu »Heinim« verschmolzen, wie er den alten Mann stets nannte.
»Ja also, da bringe ich die kleine Bestellung«, antwortete Heinim. »Ist schon fertig …«
»So schnell?«
»In drei Tagen kann man, Sachar Semjonytsch, nicht nur einen Reklametext, man kann in dieser Zeit einen Roman abfassen. Für einen Reklametext genügt auch eine Stunde.«
»Nur? Und da feilscht du immer, wie wenn du einen Jahresauftrag annimmst. Na, dann zeigen Sie mal her, was Sie da verfasst haben.«
Heinim zog einige zerknitterte, mit Bleistift beschriebene Zettel aus der Tasche und näherte sich dem Schreibpult.
»Das habe ich noch im Rohtext, in allgemeinen Zügen …«, sagte er. »Ich will’s Ihnen vorlesen, und Sie mögen sich einfühlen und mir im Falle, dass Sie einen Fehler finden, Hinweise geben. Fehler machen ist kein Kunststück, Sachar Semjonytsch … Glauben Sie? Ich musste für drei Geschäfte gleichzeitig Reklametexte abfassen … Da wäre auch einem Shakespeare der Kopf heiß geworden.«
Heinim setzte die Brille auf, zog die Brauen hoch und begann mit trauriger Stimme zu lesen, fast als deklamiere er:
»Saison 1885–86. S. S. Jerschakow, Lieferant von chinesischem Tee für alle Städte des europäischen und asiatischen Russland und des Auslandes.
Die Firma existiert seit 1804. – Verstehen Sie, das ist alles nur Einleitung, das wird in Ornamenten zwischen Wappen gebracht. Ich fasste für einen Kaufmann einen Reklametext ab, da benutzte der für die Veröffentlichung die Wappen verschiedener Städte.
So können auch Sie es halten, und für Sie habe ich dazu folgendes Ornament ersonnen, Sachar Semjonytsch: ein Löwe, in dessen Zähnen eine Leier ruht.
Und jetzt weiter: Zwei Worte an unsere Kundschaft. Sehr geehrte Herren! Weder die politischen Ereignisse der letzten Zeit noch der kalte Indifferentismus, der sich mehr und mehr aller Schichten unserer Gesellschaft bemächtigt, und auch nicht die Versandung der Wolga, auf die noch kürzlich der beste Teil unserer Presse hinwies, nichts vermag uns zu beirren.
Das langjährige Bestehen unserer Firma und die Sympathien, die wir uns zu erobern vermochten, geben uns die Möglichkeit, fest auf unserem Boden zu beharren und von unserem ein für allemal eingeführten System nicht abzuweichen, weder hinsichtlich unserer Beziehungen zu den Besitzern der Teeplantagen, noch auch hinsichtlich der gewissenhaften Durchführung der Bestellungen. Unsere Devise ist sattsam bekannt. Sie besteht in wenigen, aber dafür umso bedeutungsvolleren Worten: Gewissenhaftigkeit, Wohlfeilheit und Schnelligkeit!!«
«Gut! Sehr gut!« unterbrach ihn Jerschakow, sich auf seinem Stuhl wiegend. «Ich habe nicht erwartet, dass Sie es so gut treffen würden. Sehr geschickt! Nur das eine, lieber Freund …
Wir müssen  hier etwas abschattieren, etwas vernebeln, weißt du, ein Taschenspielerstückchen machen … Wir wollen hier schreiben, die Firma habe soeben eine Sendung frischer erstklassiger Frühlingstees der Saison 1885 erhalten …
Stimmt’s? Aber dabei muss gleichzeitig darauf hingewiesen werden, dass dieser soeben erhaltene Tee schon seit drei Jahren bei uns auf Lager ist, doch dass er nichtsdestoweniger aus China noch in der vorigen Woche zu uns gekommen ist.«
«Verstehe … Das Publikum wird den Widerspruch nicht einmal merken. Zu Beginn der Ankündigung werden wir schreiben, der Tee sei eben erst eingetroffen, am Ende aber werden wir sagen:
Da wir über einen großen Vorrat von Tee, der noch zu den früheren Zolltarifen eingeführt wurde, verfügen, können wir ohne Benachteiligung unserer eigenen Interessen ihn noch zum Preise der vorigen Jahre verkaufen … und so weiter. Schön; und auf die andere Seite kommt dann die Preisliste. Dort gibt es wieder Wappen und Ornamente … Darunter in fetter Schrift: Preisliste der erlesenen aromatischen Teesorten der ersten Frühlingslese aus Futschan und Kjachta, soeben aus den neue erworbenen Plantagen eingetroffen … Und weiter:
Wir lenken die Aufmerksamkeit der wahren Teeliebhaber auf die Teesorten aus Lan-sin, von denen die größte und verdienteste Wertschätzung die Sorte ‚Das chinesische Emblem‘ oder ‚Der Neid der Konkurrenz‘ zu 3,50 Rubel genießt. Von den rosenduftenden Teesorten empfehlen wir besonders ‚Rose des Bogdychan‘ zu 2 Rubel und ‚Augen der Chinesin‘ zu 1,80 Rubel.
Nach den Preisen kommt in Petit einiges über Auswiegung und Versendung des Tees. Dortselbst über den Rabatt und in bezug auf die Prämien: Die Mehrzahl unserer Konkurrenten wirft, um Käufer zu erlangen, eine Lockangel in Gestalt von Prämien aus.
Wir unsererseits protestieren gegen derartige empörende Geschäftsmethoden und bieten unseren Käufern nicht in Gestalt von Prämien, sondern gratis alle die Lockspeisen an, mit welchen die Konkurrenz ihre Opfer füttert. Jeder, der von uns für mehr als fünfzig Rubel bezieht, erhält zur Wahl und völlig kostenlos einen der folgenden fünf Gegenstände: einen Teekessel aus Britannia-Metall, hundert Visitenkarten, einen Stadtplan von Moskau, ein Teegefäß in Gestalt einer nackten Chinesin oder das Buch: ‚Der Bräutigam ist erstaunt oder die Braut unter dem Trog – Erzählung eines heiteren Spaßvogels‘«.
Nachdem er die Lektüre beendet und einige Korrekturen eingetragen, schrieb Heinim den Reklametext schnell ins Reine und händigte ihn Jerschakow ein. Hierauf trat ein Schweigen ein … Beide fühlten sich geniert, wie wenn sie eben eine Gemeinheit begangen hätten.
»Gestatten Sie das Geld für die Arbeit gleich in Empfang zu nehmen oder später?« fragte Heinim unschlüssig.
«Wann Sie wollen, meinetwegen gleich …«, entgegnete Jerschakow nachlässig. »Geh in den Laden und laß dir dort für Fünf fünfzig geben, was du willst.«
»Ich hätte es lieber bar, Sachar Semjonytsch.«
»Ich habe nicht die Absicht, bar zu zahlen. Ich zahle Allen in Tee und Zucker: Ihnen sowohl wie auch dem Sängerchor, wo ich als Ältester fungiere, und auch den Hausmeistern. Auf diese Weise gibt es weniger Trunksucht.«
»Kann man denn meine Arbeit mit dem Wirken von Hausmeistern und dem Sängerchor vergleichen, Sachar Semjonytsch? Bei mir ist es geistige Arbeit.«
»Was da für Arbeit! Hingesetzt, aufgeschrieben und basta. Geschriebenes kann man weder essen noch trinken … ist ein Dreck! Keinen Rubel wert.«
»Hm … Wie sonderbar Sie doch über schriftstellerische Arbeit urteilen …« Heinim war gekränkt. »Nicht essen, nicht trinken. Sie verstehen wohl nicht, dass ich, während ich diesen Reklametext verfasste, vielleicht seelische Qualen litt. Da schreibt man und fühlt, dass man ganz Russland betrügt. Geben Sie mir Geld, Sachar Semjonytsch!«
»Du fällst mir auf die Nerven, Bruder. Es ist unschön, so zu drängeln.«
»Na gut. Dann werde ich Staubzucker verlangen. Ihre Jungens werden den von mir für acht Kopeken pro Pfund zurückkaufen. Ich verliere bei dieser Transaktion vierzig Kopeken, doch was soll ich machen? Bleiben Sie gesund!«
Heinim drehte sich um, um hinauszugehen, indes, er blieb im Türrahmen noch einmal stehen und sagt düster:
»Ich betrüge Russland! Ganz Russland! Ich betrüge das Vaterland um ein Stück Brot! O weh!«
Und ging. Jerschakow zündete sich eine kleine Havanna an, und alsbald roch es in seinem Zimmer noch stärker nach einem kultivierten Menschen.

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Oh. Sie haben tatsächlich bis hierhin gelesen?
Einigen wir uns darauf: Sie haben sich nirgendwo wiedererkannt. Wir uns auch nicht.

 

Mal im Ernst. Natürlich schreiben wir auch umfangreiche Texte. Das hängt ganz von der Sache ab, um die es geht. Hauptsache: Lesbar, verständlich, prägnant.

Beispiele:

Titel Bertelsmann
Titel Borken
Titel W+S-Festschrift
Titel W+S Grüne Gasse
Bertelsmann-Stiftung:
  • Gesellschaftspolitisches Leitbild (Leseprobe)
Leitbilder/Profile:
  • Kreis Borken (Leseprobe)
  • Stadt Halle
  • Hansestadt Stralsund
Festschrift:
  • 75 Jahre Wohn+Stadtbau Münster (Leseprobe)
Wettbewerbsprospekt:
  • Wissenschaftsstadt Münster
Image- und Immobilienprospekte:
  • Wohnen an der Promenade
  • Wohnprojekt Grüne Gasse
  • Münsters neues Werseviertel